22. Juni 2021

Das Nachlassverfahren aus Sicht der Nachlassrichterin

Im Gegensatz zur aussergerichtlichen Sanierung findet das Nachlassverfahren (Art. 293 ff. SchKG) unter Mitwirkung des Gerichts statt und bezweckt, dem Schuldner im Rahmen einer gerichtlich bewilligten Stundung die Bereinigung seiner Schulden mit oder ohne Abschluss eines Nachlassvertrages zu ermöglichen. Das Nachlassverfahren beginnt stets mit einer provisorischen Nachlassstundung, wobei die Voraussetzungen zu deren Bewilligung tief angesetzt sind. Zur näheren Prüfung der Aussicht auf Sanierung oder Bestätigung eines Nachlassvertrages setzt das Nachlassgericht regelmässig einen oder mehrere provisorische Sachwalter ein. Obschon die Geschäftsverantwortung und die Vertretung im Aussenverhältnis in der Regel beim Schuldner verbleiben, hat der Sachwalter durch seine Begleitung des Nachlassverfahrens, seine Berichterstattung an das Nachlassgericht und im Rahmen der Ausarbeitung des Nachlassvertrages einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf einer Nachlassstundung. Das Nachlassverfahren gestaltet sich je nach den tatsächlichen Verhältnissen und der Zielsetzung (Sanierung ohne Abschluss eines Nachlassvertrages oder Abschluss eines Nachlassvertrages) unterschiedlich – entsprechend vielfältig ist die Mitwirkung des Nachlassgerichts. Das Referat gibt einen Überblick über den Ablauf einer Nachlassstundung aus der Optik des Nachlassgerichts und beleuchtet einige für das Nachlassgericht zentrale Stationen des Verfahrens.